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Malteser in Langenfeld Rhld.

Berührungsangst Demenz - Wenn geistige Fähigkeiten verfallen

Malteser-Referentin Kerstin Fischer bringt Umgang mit demenziell Erkrankten näher

30.08.2017
Das Cafe Malta ist im Zeitgeschmack der Erkrankten eingerichtet
Das Cafe Malta ist im Zeitgeschmack der Erkrankten eingerichtet

Zunehmende Vergesslichkeit, häufiges Verlegen von Sachen und schwere Konzentrationsprobleme können Anzeichen einer beginnenden Demenz sein. Je nach Art der Erkrankung sind jedoch auch Persönlichkeitsveränderungen, Reizbarkeit oder Halluzinationen Indikatoren.

Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt. Allerdings zählen die meisten darunter durchschnittlich bereits 85 Jahre, denn eher selten ist man hierzulande schon vor dem 65. Lebensjahr betroffen. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung steigt jedoch mit zunehmendem Alter. Die Beeinträchtigungen können über kurz oder lang dann so schwerwiegend werden, dass Betroffene nicht mehr zu einer selbstständigen Lebensführung in der Lage sind.

Viele Menschen haben Berührungsängste, wenn sie mit dem Thema Demenz konfrontiert werden. Wie geht man mit Betroffenen um, wenn die Erkrankung fortschreitet? Die Malteser setzen bei ihren Angeboten rund um diese Frage auf Wertschätzung und Akzeptanz der veränderten Persönlichkeit.

„Eine Demenz ist eine Wundertüte und es gibt keinen Menschen, der den gleichen Krankheitsverlauf hat, wie ein anderer“, sagt Kerstin Fischer (56), Referentin für das Soziale Ehrenamt bei den Maltesern in der Erzdiözese Köln. Die examinierte Krankenschwester und Fachkraft der Gerontopsychiatrie ist derzeit noch kommissarisch in Langenfeld tätig und befasst sich schon seit Jahren intensiv mit der Thematik. Nach Erfahrungen im privaten Umfeld bildete sich die Pflegefachfrau intensiv weiter: Nach einer Qualifizierung zur “Dozentin Erste Hilfe“ ließ sie sich noch zur Dozentin SPA (Sozialpflegerische Ausbildung) schulen. Außerdem machte sie ihren Abschluss als Diplom-Kreativtherapeutin. Durch Fortbildungen ehrenamtlicher Helfer des Malteser-Besuchs- und Begleitdienstes (BBD), unter Leitung von Dietmar Servatius, gelangte Fischer als Koordinatorin der Entlastungsdienste schließlich zur Hilfsorganisation.

Im Rahmen des Malteser-BBDs, bei dem Freiwillige regelmäßig einsame Menschen besuchen und gemeinsam mit ihnen Zeit verbringen, waren die Ehrenamtlichen immer wieder mit älteren Herrschaften in Berührung gekommen, die irgendwann eine Demenz entwickelt hatten. So habe man innerhalb des Hilfsdienstes gemeinsam überlegt, wie man damit umgehe, erzählt Kerstin Fischer. Kurzerhand sei dann die Idee entstanden, einen Besuchs- und Entlastungsdienst (BED) zu installieren. Dieser ist speziell für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen gedacht. Fischer baute die Abteilung u.a. mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt Langenfeld auf. Im Entlastungsdienst gehen Ehrenamtliche in die Haushalte und verbringen ihre Freizeit mit den Erkrankten, aktivieren sie zum Beispiel oder erleichtern Angehörigen den Alltag. Pflege, Hauswirtschaft oder Rechtsgeschäfte sind dabei jedoch ausdrücklich ausgenommen.

Gerade für pflegende Angehörige kann der Umgang mit demenziell veränderten Menschen eine große Herausforderung darstellen: Die veränderte Persönlichkeit der Erkrankten macht den Alltag mit ihnen nicht immer leicht. Auch die Frage nach den Kosten für Medikation, Pflege und Betreuung bereitet vielen Kopfzerbrechen. Im Rahmen von unterschiedlichen Angeboten haben die Malteser unter Federführung von Kerstin Fischer mehrere Hilfs- und Unterstützungsleistungen im Bereich Demenz eingerichtet. Von Informationsveranstaltungen zum Thema “Begleitung von Menschen mit Demenz“, die sich an Angehörige, Interessierte und ehrenamtlich Tätige richtete, über Crashkurse zum Demenzbegleiter und einem Laientheater, bei dem Demenz-Situationen nachgestellt und später aufgelöst wurden,  sowie einem Demenz-Bewegungs-und Tanzkurs bis hin zum reinen Info-Service bei Verdacht auf Demenz.

„Ein ganz großes Bedürfnis von Angehörigen ist die Beratung. Da es neben finanziellen auch entlastende Hilfen gibt, ist es wichtig, sich  genau darüber informieren“, erzählt Fischer. Viele würden aber von Pontius nach Pilatus geschickt und bekämen so immer nur häppchenweise die Informationen, die sie eigentlich benötigten, beklagt die 56-Jährige. Daher war für die examinierte Krankenschwester schnell klar: „Ich möchte ein Beratungsangebot auf die Beine stellen, bei dem ein persönlicher Leitfaden erstellt werden kann, der alles umfasst.“ Angefangen beim Verdacht einer bestehenden demenziellen Erkrankung über die Frage, wo welche Gelder beantragt oder welche versicherungsrechtlichen Punkte bedacht werden müssen, bis hin zu den Entlastungsangeboten für Angehörige. Gesagt, getan: Seit Ende 2013 gibt es genau dieses kostenfreie Beratungsangebot bei den Maltesern Langenfeld. Und das Beste: Auch in sämtliche Schulungen rund um das Thema Demenz fließen jene Beratungen mit ein. Bis zu 120 Konsultationen pro Jahr führt Fischer teilweise im Büro an der Industriestraße und teilweise im häuslichen Umfeld der Ratsuchenden durch.

Das Besondere rund um die Angebote zum Thema Demenz: Die Malteser arbeiten hierzulande exklusiv nach dem sogenannten Silviahemmet-Konzept, benannt nach Königin Silvia von Schweden. Hierbei orientiert man sich an einer palliativen Philosophie, die die Ziele hat, möglichst viel Lebensqualität und Selbstbestimmung für Erkrankte und Angehörige beizubehalten, Teilhabe statt Isolation zu fördern, Enttabuisierung des Themas `Demenz` zu erreichen und die Erkenntnis, ´Das Erkrankte lehrt die Anderen` zu vermitteln.  

Das Highlight unter den Angeboten stellt jedoch sicherlich das Café Malta dar. Die eigens im Zeitgeschmack der erkrankten Menschen eingerichtete Entlastungsstätte an der Industriestraße soll als Ort der Begegnung und Anlaufstelle für demenziell Veränderte und deren Angehörige dienen. In Gemeinschaft kann hier nach vorheriger Anmeldung an mehreren Tagen in der Woche entspannt, gespielt, gebastelt oder von früher erzählt werden.

Kerstin Fischer, die nach ihrem Wechsel in die Malteser Diözesangeschäftsstelle Köln zurzeit nur noch kommissarisch in Langenfeld tätig ist, hinterlässt ihren Nachfolgern in jedem Fall eine vielfältige Angebotspalette rund um das Thema Demenz.

Ab dem 2. September 2017 bieten die Malteser für pflegende Angehörige oder ehrenamtlich Tätige jetzt auch wieder einen Crashkurs zum Demenzbegleiter an. Im Rahmen von 40 Unterrichtseinheiten (jeweils 45 Minuten) im Wochenend- und Abendkurs lernen die Teilnehmer Menschen mit Demenz zu verstehen und zu begleiten. Praxisnah wird vermittelt, ältere und verwirrte Menschen in ihrer Selbstständigkeit, ihrem Denken und Handeln nach dem schwedischen Silviahemmet-Prinzip individuell zu fördern.

Informationen unter: (02173) 81188 oder per E-Mail unter: demenz.langenfeld(at)malteser(dot)org

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE29370601931201210255  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7