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Malteser in Langenfeld Rhld.

Malteser präsentieren als Kooperationspartner “Kommt und tanzt!“

Menschen mit und ohne Demenz genießen ein außergewöhnliches Freizeitangebot

11.04.2018
Margit Erkens (CBT), Theo Besgen u. Burkhard Lingenberg (Lions); vorne Teilnehmerin Maria Marx und Tanzlehrer Andreas Schamberger
Helga Geutjes (Leitung Demenz Dienste) und Norbert Nitz (Mitglied der Stadtleitung) freuen sich über die gelungene Kooperation
Beim Tanzen werden für die Menschen so manche Erinnerungen wach
Mit Tüchern wird auch der Tastsinn angesprochen
Tanzkurs-Teilnehmerin Maria Marx genießt die beschwingten Stunden
Es wird auch mit Gummibällen gearbeitet
Beim Tanzen hebt sich die Stimmung sogleich
Julia Schulze (SGL) und Andreas Schamberger (Kursleiter) machen vor wie es geht
Fröhlichkeit, die sich überträgt: Julia Schulze tanzt mit einer Teilnehmerin

Leuchtende Augen, lachende Gesichter und jede Menge Spaß an der eigenen Bewegung. Üblicherweise wäre dies bei einer Tanzveranstaltung vielleicht nichts Besonderes. Beim außergewöhnlichen Kooperationsprojekt der Malteser, des Lions Clubs Langenfeld, des CBT Wohnhauses St. Franziskus und der SGL stellen solche Reaktionen jedoch einen kleinen Erfolg dar. Grund: Das Tanzangebot, das jeden dritten Freitag im Monat von 10.00 bis 11.30 Uhr in der “Residenz“ an der Industriestraße 90 offeriert wird, richtet sich insbesondere an demenziell erkrankte Menschen.

 

Beim Anklingen der rhythmischen Musik aus vornehmlich leicht zurückliegenden Jahrzehnten, kribbelt es nicht nur der Zielgruppe sogleich in den Füßen. Auch die ehrenamtlichen Helfer und sämtliche Gäste, die sich das interessante Angebot einmal ansehen wollen, zieht es auf die Tanzfläche. Es ist eben der Rhythmus, bei dem man einfach mitmuss. Ob Tango, Walzer, Disco Fox oder Rumba – bis auf Rock `n Roll wurde bislang wohl kaum ein Tanz ausgelassen.

 

„Ich habe schon früher immer getanzt“, schwärmt Maria Marx (80). Die Langenfelderin ist regelmäßiger Gast des Cafés Malta und kommt seit Anbeginn des Tanzprojektes für Menschen mit und ohne Demenz immer wieder gerne in die SGL-Residenz, gleich gegenüber der Malteser-Begegnungsstätte für demenziell erkrankte Menschen. Kurz erwähnt sie etwas unvermittelt, dass sie sechs Jahre alt gewesen sei, als sie von zu Hause weggemusst habe, doch als die Musik erklingt, ist sie plötzlich wieder voll bei der Sache und in der Gegenwart. „Mein Lieblingstitel ist „Wiener Blut“, erklärt sie begeistert und der Tanzlehrer, Andreas, wisse das, ist sich die freundliche ältere Dame sicher.

 

Andreas Schamberger (40), Tanzlehrer und Trainer im deutsch-olympischen Sportbund mit Lizenz für Reha-Orthopädie ist der heimliche Star inmitten der zurzeit noch überwiegend weiblichen Kursteilnehmer. So bestätigt SGL-Kursleiterin Julia Schulze mit einem Augenzwinkern beispielsweise dass „sich die Damen beinahe schon `prügelten`“, um als erste Schambergers Tanzpartnerin sein zu dürfen.

 

Verwunderlich ist dies freilich kaum: Der charmante Tanz-Profi versteht nicht nur sein Handwerk einwandfrei, auch sorgt er aus freien Stücken gerne für das leibliche Wohl seiner Kursteilnehmer. Er bringt Kaffee, Wasser, Tee und Naschwerk mit, damit sich die flotten Tänzer vor Veranstaltungsbeginn und in der Pause auch ein wenig stärken können. Seine Ausbildung ist dem 40-Jährigen bei diesem Projekt mehr als hilfreich. „Im Hinblick auf Sturz-Prophylaxe und darauf, dass sämtliche Bewegungen richtig vonstattengehen, ist dieser Hintergrund von Vorteil.“

 

Die Vorbereitung einer Demenz-Tanzstunde sieht dabei so aus, dass zunächst eine Auswahl der Lieder, die gespielt werden, vorgenommen wird. Dabei fällt die Wahl bewusst auf ältere Titel. 80er, 70er oder noch weiter zurückliegende Musikstücke sind dabei keine Seltenheit. „Es ist meistens so, dass die Erinnerungen von früher da sind, sie jedoch vor allem durch die Musik wieder wachgerufen werden“, erläutert der Tanzexperte. Nicht nur Liedtexte fielen den Menschen auf diese Weise wieder ein, sondern häufig sogar genau das Gefühl, das sie einst empfunden hatten, als sie den Song in früheren Jahren hörten.

 

„Es kommen Emotionen hoch und für die Teilnehmer ist es wirklich, wie in einem Buch über ihr eigenes Leben zu lesen“, sagt Schamberger. Auch sei die Mobilität wieder da, weil Musik die Menschen passiv antreibe, sich wieder zu bewegen. Demenziell erkrankte Menschen, die sich nicht im geringsten bewegten, wenn man sie quasi dazu “zwänge“, würden plötzlich ganz freiwillig wieder Bewegungen zur Musik machen und das sei das Beste, erklärt Andreas Schamberger. „Bei der Mobilisation haben wir so weniger Probleme mit Gelenkschmerzen, dem weiteren Muskelaufbau oder dem Dehnen.“

 

Zwar seien den Kursausrichtern in der Weise Grenzen gesetzt, als kein Pflegepersonal gestellt werden könne, sich somit bei Vorliegen von Problematiken wie Inkontinenz entsprechend darum nicht gekümmert werden könne und daher nur demenziell Erkrankte in frühen Stadien mitmachen sollten. Für Menschen im Rollstuhl, mit Prothese oder Rollator bestünden jedoch keinerlei Hindernisse.

 

Von Seiten des örtlichen Ausrichters, der SGL, zeichnet Tanzpädagogin und Sport-und Fitness-Kauffrau Julia Schulze (30) für das Kursangebot verantwortlich. „Mir ist das Projekt sehr wichtig“, beteuert die sympathische und engagierte Abteilungsleiterin der Sportgemeinschaft Langenfeld. Möglicherweise hänge dies damit zusammen, dass ihre Großmutter einst ebenfalls an Demenz erkrankt sei. Bedauerlicherweise lebe diese zwar nicht mehr, jedoch freue sich Schulze jetzt umso mehr darüber, vielen anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und mit allen Kooperationspartnern hier gemeinsam etwas so Schönes machen zu können, beschreibt sie ihre persönliche Motivation.

 

Besonders begeistert zeigt sich die 30-Jährige auch über den Unterschied der Verfassung einzelner Teilnehmer, wenn sie ankommen, und wenn sie später nach dem Tanzkurs wieder gehen. „Bei der Ankunft müssen sich die Menschen häufig erst einmal orientieren, manche sind gerade erst aufgestanden, andere sind noch ein bisschen verwirrt“, erklärt die Tanzpädagogin. Wenn sie wieder gingen, sei das anders. „Ich habe bis jetzt alle lächeln sehen, wenn sie rausgehen. Sie singen ein Lied, tanzen einen Tanzschritt, erzählen davon und schöpfen noch ein paar Tage lang von diesem Erlebnis“, schwärmt Julia Schulze.

 

„Neben dem Gefühl, das die Musik den Menschen vermittelt, erleben sie ja auch ganz direkt ein körperliches, weil man beim Tanzen jemanden im Arm oder an der Hand hält“, sagt Theo Besgen vom Lions Club Langenfeld. Der 59-Jährige war einer der Ideengeber des Projektes. Vor rund zwei Jahren hatte sich das Konzept zum Demenz-Tanzkurs aus einem netten Gespräch mit dem früheren Leiter des CBT-Hauses entwickelt. „Der Lions Club beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem Thema Demenz und aus einem typischen Brainstorming, bei dem eine Idee die andere ergibt, hat sich das mit dem Tanzen herauskristallisiert“, beschreibt Besgen die Entwicklung.

 

Es habe sich dann die Frage gestellt, wen man als sinnvolle Partner mit dazu nehmen könne, erinnert er sich. „Wir sind schnell bei der SGL gelandet und dann kamen die Malteser hinzu. Auf diese Weise hatten wir eine recht gute Truppe zusammenbekommen, die diese Idee dann auch in die Tat umgesetzt hat“, erinnert sich der Unternehmer, der seit rund zehn Jahren im Vorstand der Lions tätig ist. Nach seiner persönlichen Motivation für sein Engagement in diesem Bereich gefragt, antwortet der 59-Jährige: „Obwohl es gut ist, dass man sich viel um Kinder kümmert, ist mir aufgefallen, dass man das andere Ende der Altersskala meines Erachtens nicht so sehr im Fokus gehabt hat. Und das haben wir jetzt eben getan“, erläutert der Lion.

 

Vierter im Bunde ist das Langenfelder CBT-Haus. Margit Erkens (59) hat dort seit dem ersten Oktober vergangenen Jahres die Geschäftsleitung inne. „Die Bewegung der älteren Menschen zur Tanzmusik bringt nicht nur Erinnerungen an andere Zeiten zurück, sondern auch Freude daran, Schritte wieder zu lernen“, sagt sie. Seinen Bewohnern bietet das CBT-Haus die Möglichkeit, regelmäßig am „Kommt-und-tanzt“-Angebot teilzunehmen. Häufig müssten gerade selbstbestimmte ältere Menschen, die ihren Tagesablauf eigenständig festlegen, zunächst einmal motiviert und unterstützt werden, da Viele Schwellenängste hätten und sich gewisse Dinge nicht mehr zutrauen würden.

 

Besonders wichtig ist Erkens daher auch die Quartiersarbeit. „Im Rahmen der Kooperation sehen wir unsere Aufgabe auch vor allem darin, den älteren Menschen in der Nachbarschaft zu vermitteln, dass es das Angebot gibt“, sagt die CBT-Geschäftsführerin aus Langenfeld. Ambulante Pflegedienste miteinzubeziehen, die mehr Leute erreichen würden, die allein sind, hält Erkens daher ebenfalls für sinnvoll.

 

Die Malteser, Helga Geutjes (Leiterin Demenz Dienste), Norbert Nitz (Stadtleitung) und Reinhard Palenta (Besuchs- und Entlastungsdienst) zeigen sich ebenfalls hellauf begeistert von der Kooperation im Rahmen des Kommt-und tanzt-Projektes. Während Hobbytänzer Reinhard Palenta (66) den Kurs seit Beginn seines Renteneintritts als ehrenamtlicher Helfer unterstützt und mittanzt, freut sich Helga Geutjes (47) auch über die Chance gemeinsamer kontinuierlicher Weiterentwicklung bestehender Projekte. “Gerade Möglichkeiten, bei denen an Demenz-Erkrankte einmal aus dem Kontext der eigenen Familie herauskommen und neue Menschen kennenlernen, selbst, wenn sie diese später nicht wiedererkennen, ist ein wichtiger Aspekt“, sagt die Café-Malta-Leiterin. Kommt-und-tanzt hält die examinierte Krankenschwester auch deshalb für wertvoll, da Musik eine heilende Wirkung habe. Als Serviceleistung bietet das Café Malta den Tanzkursteilnehmern daher auch gerne die Nutzung seiner behindertengerechten Toilette mit barrierefreiem Zugang an.

 

Norbert Nitz (65) konstatiert, dass das Tanzangebot perfekt zu den Demenz-Projekten der Malteser passe. „Allein durch die räumliche Nähe der SGL-Residenz zu unserem Café Malta kann eine optimale Verbindung hergestellt werden“, ergänzt das Mitglied der Malteser-Stadtleitung in Langenfeld.

 

Bleibt zu hoffen, dass auch künftig viele Tanzbegeisterte mit und ohne Demenz zum Kurs mit einem Kostenbeitrag von fünf Euro kommen. Willkommen sind jedenfalls alle recht herzlich.

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