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Malteser in Langenfeld Rhld.

Tag des Ehrenamtes: Annika Nitz ist Zugführerin bei den Maltesern

Diese Qualifikation ist tendenziell eher männlich besetzt

05.12.2018
Zugführerin Annika Nitz im Einsatz als Unterkunftsleiterin beim Katholikentag in Münster

„Als Frau sollte man den Mut haben, sich auch mal gegen die männlichen Kollegen durchzusetzen!“
 
Ihre Premiere als “Unterkunftsleiterin“ hatte sie bereits beim Deutschen Katholikentag in Münster. Hierfür erforderlich: Eine Qualifikation als Zugführerin. Als solche wird eine Führungsfunktion von Organisationen mit Sicherheitsaufgaben definiert. Dass sie sich jüngst für diese Funktionsbezeichnung befähigen lassen hat, ist nicht selbstverständlich. Tendenziell ist jene Position nämlich eher männlich besetzt. Die Rede ist von Annika Nitz (37).
 
Die Langenfelderin wurde nahezu in die Organisation der Malteser „hineingeboren“. Grund: Bereits ihre Eltern waren seit jeher für den katholischen Hilfsdienst im Einsatz. „So kam es auch, dass man schon in jungem Alter immer einmal wieder zu Veranstaltungen mitgenommen wurde“, erzählt Annika. Aktiv begann sie ihre Malteser-Karriere sodann im Alter von gerade einmal neun Jahren als Jugendgruppenkind. Ganze zehn Jahre lang blieb Nitz der Jugend-Abteilung der Hilfsorganisation, die sie sogar irgendwann selbst als Leiterin übernommen hatte, treu.  Um ihr 19. Lebensjahr herum kollidierten die Termine jedoch dann immer wieder mit jenen, die für ihre Ausbildung zur “Fachinformatikerin Anwendungsentwicklung“ bei einem großen Handelskonzern anstanden. „Ich musste aufhören, da die Zeiten mit dem Job einfach nicht mehr vereinbar waren“, erinnert sich die 37-Jährige.
 
Auf Diözesan-Ebene habe sie dann zwar noch als Jugendhelfer-Vertreterin im Jugend-Führungskreis weitergearbeitet. Obwohl dies zwar ebenfalls hohen Zeitaufwand bedeutet habe, hätte man diesen jedoch viel besser auf abends oder das Wochenende legen können, erzählt Annika Nitz. Mit 26 sei ihr jedoch eines klar geworden: „Da muss eine neue Generation heran!“ In den fünf Jahren, in denen sie dabei gewesen sei, sei viel geleistet worden und sie habe nicht gedacht, dass nach dem Ausrichten eines Bundeslagers und eines Weltjugendtags in Köln noch etwas kommen könne, was das Erlebte womöglich toppen würde, erinnert sich die junge Frau. Somit sei es schlicht Zeit gewesen, noch einmal etwas Neues zu wagen.
 
Einen geeigneten Platz auszumachen, habe allerdings kein leichtes Unterfangen dargestellt, erzählt Nitz. „Die Malteser bestanden damals in Langenfeld hauptsächlich aus einer Sanitätsgruppe und mein Metier war nicht die Medizin“, sagt die passionierte Ehrenamtlerin. Dies habe es zunächst schwergemacht, eine Ecke für sich zu finden. Bei den wöchentlichen Treffen am Mittwochabend habe sie sich jedoch dann einfach um die Verpflegung sämtlicher Ehrenamtler gekümmert. Auf diese Weise sei eine Tradition gesetzt worden, die sogar noch heute Bestand hat. Am sogenannten Dienste-Abend werden in der Regel Schulungen und Fortbildungen angeboten. Nachdem sich anfänglich immer nur dieselben Kollegen an gemeinschaftlichen Essens-Bestellungen beteiligt hätten, da sich andere dies nicht immer hätten leisten können, installierte Annika Nitz kurzerhand das “Mittwochs-Abends-Kochen“. Seither gibt es Leckeres und Gesundes, das auf alle Beteiligten umgelegt wird und somit jedermann ermöglicht zu partizipieren. Möglicherweise ein Grund mehr dafür, warum das familiäre Gefühl innerhalb der Hilfsorganisation für Nitz so deutlich spürbar ist. „Es ist so, dass man hierherkommt und denkt, man säße in seinem Wohnzimmer. Die Leute, die hier sind, sind größtenteils zu Freuden geworden und man hat tatsächlich das Gefühl, das ist Familie“, konstatiert die 37-Jährige.
 
Vor rund drei Jahren entdeckt Annika Nitz dann jedoch die Führungsrichtung für sich. Sie qualifiziert sich zur “Gruppenführerin“ und wird Zugtrupp-Führerin. In dieser Position arbeitet man mit seinem Team dem Zugführer zu. Zwei männliche Kollegen mit Zugführer-Qualifikation gibt es bereits in der Langenfelder Gliederung. Grund genug für die langjährige Ehrenamtlerin es ihnen gleichzutun? „Meine Ambition rührt daher, dass wir uns ein bisschen breiter aufstellen können, wenn es darum geht, Einsatz- oder Abschnittsleitungen zu übernehmen“, sagt Annika. Soweit die Qualifikation des Zugführers gefordert sei, laste dies nun nicht mehr einzig auf den Schultern der beiden Kollegen und man könne sich so womöglich künftig an größeren Einsätzen beteiligen.
 
So besucht die Malteserin dann kurzerhand erfolgreich einen Zugführer-Lehrgang in der Kommende Ehreshoven. Dort ist sie die einzige Frau und erfährt jede Menge zum Thema Menschenführung, strategische Planung und Umsetzung, dem Konzipieren von Behandlungs- und Betreuungsplätzen sowie zur Geschichte der Malteser. Teilnahmevoraussetzung: Eine Fachausbildung im Bereich Medizin, Technik oder innerhalb des Betreuungsdienstes.
 
Ihr erster Einsatz folgt dann auch schon während des diesjährigen 101. Deutschen Katholikentags in Münster. Gefordert ist hier eine Unterkunftsleitung mit Zugführerqualifikation. Hintergrund: Beim friedlichen Zusammenkommen der Gläubigen melden sich immer wieder viele Pilger an, die im Rahmen von Übernachtungen an der Veranstaltung teilnehmen. Dies möglich zu machen, erfordert zum Teil logistische Meisterleistungen und muss detailliert geplant werden.
 
Während von den Maltesern in diesem Jahr insgesamt acht Teilnehmerunterkünfte in Münster betreut werden, zählt zu klassischen Einsatzbereichen der Hilfsorganisation auf dem Katholikentag an für sich eher der Sanitätsdienst und der Fahrdienst für Menschen mit Behinderung. Die abwechslungsreiche Aufgabe der Langenfelder Gliederung in diesem Jahr ist jedoch die Beherbergung von 580 Katholikentag-Teilnehmern. Gemeinsam mit ihrem 18-köpfigen Team steht die frischgebackene Zugführerin nun vor einer spannenden neuen Herausforderung.
 
Annikas Job insoweit zunächst: Das Umfunktionieren einer herkömmlichen Schule zur gut durchorganisierten Pilger-Herberge. „Wir mussten die Schule entsprechend herrichten, für jeden Gast sollte sich schnell erschließen, wo finde ich die Toiletten und wo geht es zur Bushaltestelle“, erzählt Nitz. Logistisch kniffelig stellt sich auch die Zuordnung der einzelnen Besucher zu bestimmten Zimmern dar. Vornehmlich kommen in diese Schule nämlich Jugendgruppen, zum Teil bis zu 70-Mann stark, und außerdem Familien. So müssen Klassenzimmer umfunktioniert werden. „Wir hatten Auflagen, wie viele Menschen pro Raum darin nächtigen durften“ erinnert sich Annika noch genau. Männer und Frauen seien zu trennen gewesen, Familien dagegen nicht und zusammengehörende Gruppenmitglieder habe man nicht allzu weit voneinander entfernt einquartieren dürfen, schildert die Unterkunftsleiterin.
 
Durch gute Planung im Vorfeld und das Schaffen einer gewissen Flexibilität bei der Zimmervergabe gelingt die Unterbringung ohne Schwierigkeiten. Eine herausfordernde Aufgabe stellt an jenen Tagen jedoch auch die Organisation der Frühstücksausgabe dar. Innerhalb von zweieinhalb Stunden verläuft die morgendliche Mahlzeiteinnahme. Während es anfangs noch eine regelrechte Stoßzeit beim Andrang um das Frühstück gibt und Wartezeiten von bis zu 20 Minuten entstehen, arbeitet Unterkunftsleiterin Annika sämtliche Punkte immer wieder mit ihrem Team durch, um Abläufe zu verbessern. Dies gelingt der 37-Jährigen auch in Kürze und so verläuft die Verpflegung der 580 Unterkunftsbewohner samt Abwicklung der Spülstraße, wo diese ihr Geschirr selbst reinigen können, schnell reibungslos. Besonders erfreut zeigt sich Annika Nitz auch über die anerkennende Unterstützung, die sie während des Katholikentags durch ihren teamfähigen Zugführer-Kollegen Markus Arenz erfährt. “Er hat sich im Frühstücksteam wunderbar eingebracht, mir aber gleichzeitig bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite gestanden“, zeigt sich die ausgebildete IT-Spezialistin begeistert.
 
Zwar muss sich Annika Nitz regelmäßig für Einsätze wie diesen Urlaub nehmen, doch das macht ihr rein gar nichts aus. Das Zusammensein mit der “Malteser-Familie“, der Austausch untereinander und die Möglichkeit, immer wieder neue Menschen kennenzulernen, die sich für die gemeinsame Sache engagieren, ist es ihr wert. Ein besonderes Bonbon stellt nach dem Katholikentag jedoch auch eine Sache dar: „Es war beeindruckend, wie herzlich sich die Menschen für die Fürsorge bedankt und zum Teil sogar Geschenke dagelassen haben“, berichtet die qualifizierte Zugführerin noch immer gerührt.
 
Ihren ersten Einsatz als Unterkunftsleitung mit Zugführerqualifikation bewertet Annika Nitz resümierend daher als äußerst positiv: „Es war eine gute Erfahrung und ich würde es auf jeden Fall wieder machen“, strahlt die leidenschaftliche Ehrenamtlerin, die privat gerne reist.
Als Tipp für weibliche Kollegen innerhalb des Malteser Hilfsdienstes gibt Nitz insofern mit auf den Weg: „Als Frau sollte man einfach sein Ding machen und sich nicht unterkriegen lassen. Vor allem auch einmal den Mut haben, sich gegen männliche Kollegen durchzusetzen und nicht kuschen.“
Nach dem Einsatz auf dem Deutschen Katholikentag ist jedenfalls eines klar: Frauen mit Zugführerqualifikation machen in ihrem Job ebenfalls eine ziemlich gute Figur.

 

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