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Malteser in Langenfeld Rhld.

Kevelaerpilgerreise – Ehrenamtliches Engagement mit über 80 Jahren

Das tat Helferin Doris Drake im berühmten Wallfahrtsort

20.05.2019
Doris Drake betreut Pilgerin Isolde während der Pilgerfahrt
Im Bus stimmen Norbert Nitz und Werner Fockenberg die Pilger ein
Fürsorglich kümmert sich Doris Drake um ihren Schützling
Mitreisende aus Langenfeld und Hilden hatten sich seit Langem gefreut
Der Einzug in die Basilika war imposant
Kardinal Woelki beeindruckte viele Pilger mit seiner Predigt
Diözesanweit freuten sich die Malteser auf das Aufeinandertreffen
Über 1000 Essen aus der Feldküche standen zur Verfügung
Erzbischof Woelki schüttelt Hände von Pilgern
Die Basilika war voll

Langenfeld/Kevelaer. Wenn Doris Drake (82) morgens um 6.10 Uhr aufsteht, um sich fertig zu machen sowie pünktlich und abholbereit gegen kurz vor acht am vereinbarten Treffpunkt zu stehen, kann dies für die ehrenamtliche Malteserin nur eins bedeuten: Die Kevelaer-Wallfahrt steht wieder an. Einmal im Jahr pilgern die Malteser aus der gesamten Erzdiözese Köln mit rund 1000 vornehmlich älteren und gesundheitlich beeinträchtigten Menschen an den Niederrhein. Dort haben jene, die nicht häufig die eigenen vier Wände verlassen können oder solche, die wenig Ansprache haben, die Möglichkeit, an einem Tag gemeinsam ein Programm aus Gebet und Kultur zu erleben und zusammen Mittag zu essen.

 

Doris Drake aus Langenfeld hat sich hierfür wieder als Helferin eingetragen lassen. Es ist schon ihr viertes Mal. Den mitreisenden Pilgern steht nämlich über die gesamte Zeit hindurch eine Betreuung zur Seite. Sogar für medizinische Versorgung ist vor Ort gesorgt. Mit dem Langenfelder Bus werden sich heute insgesamt 25 Pilger sowie 15 Helferinnen und Helfer auf den Weg machen. Doris soll sich um die Mitreisende Isolde kümmern. Die 83-jährige frühere Krankenschwester kommt schon zum wiederholten Mal mit auf die Wallfahrt zum Gnadenbild “Trösterin der Betrübten“. „Es ist immer wieder ein wunderschönes Erlebnis, denn man fühlt sich einfach gut aufgehoben“, sagt die ältere Dame, die auf Gehhilfen angewiesen ist.

 

Als es gegen 8.15 Uhr mit dem großen Reisebus vom Startpunkt am Malteser Einsatzzentrum zunächst über Hilden Richtung Kevelaer geht, sind nicht nur alle Pilger aus Langenfeld gut im komfortablen Gefährt untergebracht, auch notwendige Utensilien, wie Rollstühle und Rollatoren sind perfekt im eigens mitreisenden Zusatzfahrzeug verstaut. Am Hildener Südfriedhof wird vor der Fahrt auf die Autobahn noch ein kleiner Zwischenstopp eingelegt. Grund: Auch in Hilden gibt es Wallfahrer, die sich die Reise nach Kevelaer nicht entgehen lassen möchten. Die Langenfelder Gliederung nimmt die Nachbarn gerne mit. Rund eine Stunde dauert die Anreise fortan, während welcher die Pilger bereits mit Liedern und besonderen Versen auf den Tag eingestimmt werden, und die ohne nennenswerte Verzögerung verläuft. Während der Busfahrt sitzt Ehrenamtlerin Drake nicht neben der von ihr zu betreuenden Isolde. Aus logistischen Gründen hatte sich ein anderer Platz für die gehbehinderte Dame angeboten.

 

Bei der Ankunft am Bushalteplatz im Herzen Kevelaer`s, wo zahlreiche Ehrenamtler aus der ganzen Diözese bereits den Verkehr für die anrollenden Pilger-Busse regeln, gilt für Doris nun jedoch der Bereitschaftsmodus. Geschwind ist die sportliche Ehrenamtlerin mit ihren 82 Jahren aus dem Bus gehüpft, um den gesundheitlich beeinträchtigten Pilgern beim Ausstieg behilflich zu sein. Ein mitgebrachter Leihrollstuhl für Drake`s Schützling steht auch schon bereit. Anstatt sich auf ihren Gehhilfen durch das berühmte Wallfahrtsstädtchen fortbewegen zu müssen, wird die Senioren nämlich heute schlichtweg den ganzen Tag über geschoben. Und dies von keiner Geringeren als Doris Drake. „Mein Sportprogramm ist hierdurch für heute hinreichend abgedeckt“, lacht die hilfsbereite Ehrenamtlerin so denn auch und macht sich mit Isolde auf in Richtung Marienbasilika.

 

Nachdem die Damen den Weg durch die kleinen Geschäftsgassen bei schönstem Wetter hinter sich gelassen haben, erreichen sie die Kirche früh genug, um einen idealen Platz, weit vorne, mit bestem Blick auf den Altar für Isolde samt Rollstuhl zu ergattern. Die mit Spannung erwartete Wallfahrtsmesse wird heute bereits zum zweiten Mal in Folge von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki abgehalten. Viele Pilger freuen sich schon sehr darauf. Als die schöne Basilika sich weiter füllt, verabredet Doris Drake mit Pilgerin Isolde, diese nach Messe-Ende wieder abzuholen und zum Essen ins Forum Pax Christi zu bringen.

 

Die nun verbleibende Zeit möchte Drake bei angenehmem Sonnenwetter gerne an der frischen Luft verbringen. Unweit der Kirche gönnt sich die gebürtige Hessin gemeinsam mit einigen ehrenamtlichen Kollegen ein herzhaftes Getränk in einem Straßencafé. Hier erzählt die 82-Jährige auch, wie sie vor rund sechs Jahren zu den Maltesern gelangt war: “Eigentlich wollte ich ja irgendetwas für mich tun“, sagt die Mutter einer Tochter. Nach über 30 Jahren in Bayern und dem Tode ihres Gatten, hatte die charmante Seniorin überlegt, ob sie ihr Haus behalten oder es aufgeben solle. „Meine Tochter hatte sich mit ihrer Familie in NRW niedergelassen und sie verdeutlichte mir, dass ich doch zu ihr gehöre“, erinnert sich Doris. Dann sei sie hierhergezogen, lebe eigenständig und habe sich überlegt, wie sie ihre Zeit aktiv gestalten könne. „Ich hatte an für sich vor, als “grüne Dame“, also jemand der anderen vorliest, ins Krankenhaus zu gehen. Dann bin ich jedoch zufällig an der Malteser-Dienststelle auf der Karlstraße vorbeigekommen und überlegte mir, dass ich womöglich auch dort etwas Sinnvolles tun könne“, sagt Drake. Fest entschlossen betrat die engagierte Dame daraufhin schlicht die Dienststelle. Der Leiter des Malteser Besuchs- und Begleitungsdienstes (BBD), Dietmar Servatius, empfing die gebürtige Frankfurterin geradezu mit Kusshand. „Ja, klar, wir können jede Hand gebrauchen“, habe er gesagt, weiß Doris Drake noch genau.

 

„Seither bin ich dabei“, strahlt die Ehrenamtlerin. Im Rahmen des BBDs besucht Drake einmal wöchentlich eine ältere Dame zu Hause und verbringt Qualitätszeit mit ihr. Im Zuge jener Besuche kann grundsätzlich vorgelesen, erzählt, gespielt oder spazieren gegangen werden. Auch Besorgungen, wie gemeinsame Apothekengänge können gelegentlich unternommen werden. Die Vorlieben der von Drake besuchten Dame jedoch konzentrieren sich insbesondere auf klassische Musik und Literatur. Neben dem Besuchs- und Begleitungsdienst zählt Doris Drake zum einen noch zur Vorbereitungsmannschaft des einmal monatlich stattfindenden Malteserstübchens, bei dem es für rund 30 Besucher Kaffee, Kuchen und Geselligkeit in der Dienststelle auf der Karlstraße gibt. Daneben ist sie seit einigen Monaten auch noch Teammitglied des Mobilen Einkaufswagens (MEW) der Malteser. In diesem Zuge werden ältere Herrschaften, die sich nicht mehr zutrauen, allein einkaufen zu gehen, mit einem behindertengerechten Fahrzeug von zu Hause abgeholt und zu einem Supermarkt chauffiert. Während des Einkaufs unterstützen die Malteser auf Wunsch durch Finden der benötigten Waren und Helfen beim Einräumen. Im Anschluss an den Einkauf wird noch ein gemeinsamer Kaffee eingenommen und die älteren Herrschaften werden wieder nach Hause gefahren. Häufig sind die von Doris Drake betreuten Personen dabei sogar einige Jahre jünger als die körperlich absolut fitte Malteserin und bewundern sie.

 

Die 82-Jährige jedoch scheint das Engagement jung zu halten. So hält die stets gut gelaunte Wahl-Langenfelderin auch Wort, als die Wallfahrtsmesse in Kevelaer sich dem Ende neigt und steht parat, um Schützling Isolde wieder aus der Basilika abzuholen. Wie geplant, schiebt Drake die zu betreuende Isolde ins Forum Pax Christi, wo die Malteser-Feldköche aus Neuss, Meckenheim und Langenfeld am Wallfahrtstag mehr als 1000 Essen zubereitet haben, an welchen sich die hungrigen Pilger nunmehr gütlich tun können. Zunächst jedoch gilt es für Drake, Schlange zu stehen: Die Reihen im Forum füllen sich schnell und weil die gehbehinderten Pilger nicht mit Essenstabletts umherjonglieren können, während sie Rollstuhl, Rollator oder Gehhilfen zur Fortbewegung einsetzen müssen, erledigen die Helfer das Abholen der Mahlzeiten und spätere Wegbringen des Geschirrs für die Gäste.

 

Nach der Stärkung steht es den Pilgern frei, ob sie an einem Programm aus Kultur und Gebet teilnehmen oder sich ein wenig im hübschen Wallfahrtsort umsehen und spazieren gehen möchten. Am Nachmittag jedoch steht ein Programmpunkt für die meisten felsenfest: Die Abschlussandacht des Wallfahrtstags im Forum Pax Christi. Als sich dieses gegen 16.00 Uhr bereits wieder mit Menschenmassen gefüllt hat, dauert es nicht mehr lange, bis die Geistlichen Einzug halten und der Gottesdienst, umrahmt von berührenden Chorgesängen, beginnt. Rund anderthalb Stunden später haben sich die Gliederungs-Schildträger, welche zur Orientierung der Pilger mittels farblich gekennzeichneter Schilder samt Ortsaufschrift jederzeit verdeutlichen, zu welcher Gruppe die einzelnen Wallfahrer zugehörig sind, bereits in Position gebracht. Nun sollen sich die Pilger nämlich zügig innerhalb ihrer Gruppen zurück zu ihren Bussen begeben, um die Heimreise anzutreten.

 

Auch Doris Drake und Schützling Isolde sind rasch aus dem Pax Christi gekommen und während Doris ihre Pilgerin zurück zum Bushalteplatz über den Asphalt schiebt, erzählt Isolde, wie gut ihr dieser Tag gefallen habe. Zurück im Bus, dauert es rund anderthalb Stunden bis die Wallfahrer, nach dem konsequenten Zwischenstopp in Hilden, um die mitgenommenen Nachbarn wieder aussteigen zu lassen, wieder am Malteser-Einsatzzentrum Industriestraße angelangen. Als alle Reisenden ausgestiegen und sämtliche Gehhilfen aus den Fahrzeugen ausgeräumt sind, resümieren Doris Drake und die betreute Isolde die schöne Reise. Und bevor sie nach Hause fahren, ist für beide schon sonnenklar: "Im nächsten Jahr sind wir gerne wieder dabei."

 

 

 

 

Fotos: 4,5,6,10: S. Sehr

 

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